Der Hahn und die Mühlsteine
Es waren einmal ein alter Mann und eine alte Frau, die waren sehr, sehr arm. Sie hatten kein Brot. Deshalb gingen sie in den Wald, sammelten Eicheln, brachten…
Es waren einmal ein alter Mann und eine alte Frau, die waren sehr, sehr arm. Sie hatten kein Brot. Deshalb gingen sie in den Wald, sammelten Eicheln, brachten sie nach Hause und aßen sie. Ob sie schon lange oder erst kurze Zeit davon gegessen hatten: Eines Tages fiel der Alten eine Eichel in den Raum unter dem Fußboden. Die Eichel keimte und wuchs in kurzer Zeit bis an den Boden heran. Die Alte bemerkte es und sagte:
„Alter, wir müssen ein Loch in den Fußboden schlagen! Lass die Eiche höher wachsen. Wenn sie groß ist, brauchen wir nicht mehr wegen der Eicheln in den Wald zu gehen, sondern können sie hier in der Hütte pflücken.“
Der Alte schlug ein Loch in den Boden. Das Bäumchen wuchs und wuchs bis an die Decke. Da nahm der Alte auch die Decke auseinander und schließlich das Dach ab. Der Baum wuchs immer weiter, bis er den Himmel selbst erreichte. Als dem alten Paar die Eicheln ausgingen, nahm der Alte einen Sack und kletterte die Eiche hinauf.
Er kletterte und kletterte, bis er im Himmel ankam. Dort ging er umher und sah einen kleinen Hahn mit goldenem Kamm und butterglänzendem Kopf. Daneben stand eine kleine Handmühle. Der Alte überlegte nicht lange: Er nahm den Hahn und die Mühle mit und kletterte zur Hütte hinunter. Unten angekommen, sagte er:
„Was machen wir nun, Alte? Was sollen wir essen?“
„Warte“, sagte die Alte, „ich probiere die Mühlsteine aus.“
Sie nahm die Mühlsteine und begann zu mahlen. Da kamen ein Pfannkuchen und eine Pastete heraus, ein Pfannkuchen und eine Pastete! Bei jeder Drehung wieder ein Pfannkuchen und eine Pastete! So gab sie dem Alten zu essen.
Ein vornehmer Herr kam des Weges und kehrte bei dem alten Paar in der Hütte ein.
„Habt ihr etwas zu essen?“, fragte er.
Die Alte sagte:
„Was könnte ich dir denn zu essen geben, mein Lieber? Vielleicht ein paar Pfannkuchen?“
Sie nahm die Mühlsteine und mahlte: Kleine Pfannkuchen und Pasteten fielen heraus. Der Besucher aß und sagte:
„Verkauf mir deine Mühlsteine, Großmütterchen.“
„Nein“, sagte die Alte, „die kann ich nicht verkaufen.“
Da stahl er ihr die Mühlsteine einfach. Als die Alten merkten, dass die Steine gestohlen waren, jammerten sie voller Kummer.
„Wartet“, sagte der kleine Hahn mit dem goldenen Kamm, „ich fliege ihm nach und hole ihn ein!“
Er flog zum Herrenhaus des Bojaren, setzte sich auf das Tor und rief:
„Kikeriki! Bojar, Bojar, gib unsere goldenen, blauen Mühlsteine zurück! Bojar, Bojar, gib unsere goldenen, blauen Mühlsteine zurück!“
Kaum hörte der Herr das, befahl er:
„He, Bursche! Nimm ihn und wirf ihn ins Wasser!“
Man fing den kleinen Hahn und warf ihn in einen Brunnen. Da begann er zu sprechen:
„Schnäbelchen, Schnäbelchen, trink das Wasser! Mündchen, Mündchen, trink das Wasser!“ Und er trank das ganze Wasser aus.
Als er alles Wasser ausgetrunken hatte, flog er zum Herrenhaus des Bojaren zurück, setzte sich auf den Balkon und rief wieder:
„Kikeriki! Bojar, Bojar, gib unsere goldenen, blauen Mühlsteine zurück! Bojar, Bojar, gib unsere goldenen, blauen Mühlsteine zurück!“
Der Herr befahl dem Koch, ihn in den heißen Ofen zu werfen. Man fing den kleinen Hahn und warf ihn in den heißen Ofen, mitten ins Feuer. Da begann er zu sprechen:
„Schnäbelchen, Schnäbelchen, gieß das Wasser aus! Mündchen, Mündchen, gieß das Wasser aus!“ Und er löschte die ganze Glut im Ofen.
Er flatterte auf, flog in die Stube des Bojaren und rief wieder:
„Kikeriki! Bojar, Bojar, gib unsere goldenen, blauen Mühlsteine zurück! Bojar, Bojar, gib unsere goldenen, blauen Mühlsteine zurück!“
Als die Gäste das hörten, rannten sie aus dem Haus, und der Hausherr lief hinter ihnen her. Der kleine Hahn mit dem goldenen Kamm packte die Mühlsteine und flog damit zu dem alten Mann und der alten Frau zurück.