Arys-Pole
Eine junge Frau lebte mit ihrem gütigen Mann, ihrem kleinen Sohn und einer alten Kinderfrau. Neben ihrem Zopf trug sie stets ein blaues Band. In der Nähe ließ…
Eine junge Frau lebte mit ihrem gütigen Mann, ihrem kleinen Sohn und einer alten Kinderfrau. Neben ihrem Zopf trug sie stets ein blaues Band. In der Nähe ließ sich ihre Stiefmutter nieder, die Waldzauber kannte. Die Stiefmutter beneidete die Familie um ihr Glück und verwandelte ihre Stieftochter eines Tages in einen gefleckten Waldluchs namens Arys-Pole. Die Frau floh ins Dickicht, und ihre Angehörigen begannen nach ihr zu suchen.
Nur die Kinderfrau entdeckte am Waldrand das vertraute blaue Band. Als das Kind seine Mutter vermisste, brachte sie es zum Wald und sang: „Arys-Pole! Das Kind weint, das Kind weint, es will trinken und essen.“ Zwischen den Farnen trat ein ruhiger Luchs hervor. Das Kind streckte ihm sofort die Hände entgegen. Unter einem alten umgestürzten Stamm zog die Frau das gefleckte Fell aus und nahm wieder ihre menschliche Gestalt an.
Die Mutter umarmte und fütterte ihren Sohn und bat die Kinderfrau, zu ihrer Rettung niemandem etwas anzutun. Über ihnen schwang das blaue Band an einem Ast. Dann legte sie das Zauberfell wieder an und verschwand zwischen den Tannen. Am nächsten Tag folgte ihr Mann leise. Er hörte das Lied, sah die Verwandlung und begriff, wohin seine Frau verschwunden war.
Der Mann verbrannte das Fell nicht. Er legte das blaue Band daneben und fragte: „Möchtest du, dass wir den Zauber gemeinsam brechen?“ Die Frau nickte. Die Kinderfrau wiederholte das Lied, der Mann nannte seine Frau bei ihrem wahren Namen, und das Kind hielt ihr das Band hin. Das gefleckte Fell zerfiel zu trockenen Birkenblättern. Sogleich wurde es im Wald heller, und die Familie umarmte sich neben dem umgestürzten Stamm.
Die Stiefmutter gestand ihren Neid und bat um Verzeihung. Die Familie erklärte, dass Zauberei und Täuschung nicht hinnehmbar seien und dass Vertrauen durch gute Taten zurückgewonnen werden müsse. Die Stiefmutter löste den letzten Zauber vom Waldweg und half, blaue Bänder aufzuhängen, damit sich niemand verirrte. Arys-Pole kehrte nach Hause zurück, kam aber oft an den Waldrand, um dem Wald zu danken.