Der Kranich und die Reiherin

Eine Eule flog umher – ein lustiger Kopf; da flog und flog sie, setzte sich, drehte ihr Schwänzchen, schaute sich nach allen Seiten um und flog wieder davon;…

Eine Eule flog umher – ein lustiger Kopf; da flog und flog sie, setzte sich, drehte ihr Schwänzchen, schaute sich nach allen Seiten um und flog wieder davon; sie flog und flog, setzte sich, drehte ihr Schwänzchen und schaute sich nach allen Seiten um … Das war der Vorspruch, das ganze Märchen kommt erst noch.

Es lebten einmal ein Kranich und eine Reiherin im Sumpf, und jeder baute sich an einem Ende eine Hütte. Dem Kranich wurde es zu langweilig, allein zu leben, und er beschloss zu heiraten.

»Ich will zur Reiherin gehen und um ihre Hand anhalten!«

Der Kranich machte sich auf – stapf, stapf! Sieben Werst weit watete er durch den Sumpf; dann kam er an und fragte:

»Ist die Reiherin zu Hause?«

»Ja, sie ist zu Hause.«

»Heirate mich!«

»Nein, Kranich, ich heirate dich nicht; deine Beine sind lang, dein Rock ist kurz, du fliegst selbst schlecht, und du hast nicht einmal etwas, womit du mich ernähren könntest! Verschwinde, du Langer!«

Der Kranich zog unverrichteter Dinge nach Hause.

Später überlegte es sich die Reiherin anders und sagte:

»Statt allein zu leben, heirate ich lieber den Kranich.«

Sie kam zum Kranich und sagte:

»Kranich, nimm mich zur Frau!«

»Nein, Reiherin, ich brauche dich nicht! Ich will nicht heiraten, ich nehme dich nicht zur Frau. Verschwinde!«

Die Reiherin weinte vor Scham und kehrte zurück.

Der Kranich überlegte es sich anders und sagte:

»Es war ein Fehler, die Reiherin nicht zur Frau zu nehmen; allein ist es doch langweilig. Jetzt gehe ich hin und heirate sie.«

Er kam zu ihr und sagte:

»Reiherin! Ich habe beschlossen, dich zu heiraten: Nimm mich zum Mann.«

»Nein, Kranich, ich heirate dich nicht!«

Der Kranich ging nach Hause.

Da überlegte es sich die Reiherin anders:

»Warum habe ich ihn abgewiesen? Was soll ich allein leben? Ich heirate lieber den Kranich!«

Sie kam, um ihm einen Heiratsantrag zu machen, doch der Kranich wollte nicht.

So gehen sie bis auf den heutigen Tag einer nach dem anderen hin, um einander die Heirat anzutragen, und heiraten doch nie.

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