Prinzessin Nesmeyana

Prinzessin Nesmeyana lebte in einem hellen Palast. Sie hatte Bücher, Spielzeug und einen großen Garten, aber sie lächelte selten. Ihr Vater, der Zar, verlangte…

Prinzessin Nesmeyana lebte in einem hellen Palast. Sie hatte Bücher, Spielzeug und einen großen Garten, aber sie lächelte selten. Ihr Vater, der Zar, verlangte nicht, dass sie fröhlich sein sollte. Er setzte sich neben sie, hörte ihr zu und brachte ihr einen kleinen Blumenstrauß aus dem Garten. Eines Tages öffnete er die Palasttore und lud alle, die mochten, zu einem Spaziergang im Garten ein. Nur mit lauten Vorführungen sollten sie die Prinzessin nicht stören.

Am anderen Ende des Reiches arbeitete ein bescheidener junger Mann. Er pflegte einen Garten und erhielt am Jahresende von seinem freundlichen Arbeitgeber eine Goldmünze. Der junge Mann bedankte sich und ging zum Brunnen, um zu trinken. Als er sich vorbeugte, glitt die Münze aus seiner Hand und fiel ins Wasser. Er gab dem Brunnen nicht die Schuld, sondern kehrte an die Arbeit zurück und bat darum, beim nächsten Mal einen sichereren Geldbeutel zu bekommen.

Das geschah noch zweimal: Jedes Jahr arbeitete der junge Mann ehrlich, erhielt eine Münze und verlor sie aus Versehen am Brunnen. Am dritten Morgen kam er mit einem kleinen Eimer dorthin und sah seine drei Münzen auf dem steinernen Rand. Sie lagen einzeln da und glänzten in der Sonne. Der junge Mann freute sich, dankte demjenigen, der sie gut sichtbar hingelegt hatte, und beschloss, die Welt kennenzulernen.

An einem stillen Teich traf er drei kleine Reisende: eine Feldmaus, einen Käfer auf einem Blatt und einen freundlichen Wels, der aus dem Wasser schaute. Der junge Mann steckte die drei wiedergefundenen Münzen in einen zugebundenen Geldbeutel, holte Brot aus seiner Reisetasche und gab jedem Reisenden einige Krümel. Als Dank wollte er nur den Weg zum Garten des Zaren gezeigt bekommen. Die Maus lief am Ufer entlang, der Käfer flog über dem Pfad, und der Wels schwamm nebenher.

Im Palastgarten beugte sich der junge Arbeiter über einen kleinen Springbrunnen, um sich nach der Reise zu waschen. In diesem Moment setzte sich der Käfer auf seine Hutkrempe. Der junge Mann zuckte zusammen und bespritzte aus Versehen seinen eigenen Hut. Das war so unerwartet und harmlos, dass Prinzessin Nesmeyana zum ersten Mal herzlich lachte. Der Arbeiter lachte mit, wrang seinen Hut aus und schenkte der Prinzessin eine Wiesenblume. Der Zar bedankte sich bei seinem Gast und lud ihn ein, im Palastgarten mitzuhelfen.

Read this tale on NeuroTales