Der goldene Fisch

Am blauen Meer stand ein kleines Häuschen, in dem ein Fischer mit seiner Frau lebte. Das Häuschen war schon alt, doch vom Fenster aus konnte man die Wellen…

Am blauen Meer stand ein kleines Häuschen, in dem ein Fischer mit seiner Frau lebte. Das Häuschen war schon alt, doch vom Fenster aus konnte man die Wellen sehen, und daneben wuchsen Stockrosen. Jeden Morgen fuhr der Fischer aufs Meer hinaus, während seine Frau die Netze flickte und Brot backte. Abends tranken sie vor der Tür Tee und lauschten dem leisen Rascheln des Sandes am Ufer.

Eines Tages glänzte ein goldener Fisch im Netz. Er sprach mit menschlicher Stimme und versprach, einen guten Wunsch zu erfüllen, wenn der Fischer ihn freiließe. Doch der Fischer löste nur behutsam die Maschen und ließ den Fisch ins Wasser gleiten. „Schwimm frei“, sagte er. „Mir genügt es, dass du unversehrt bist.“ Der Fisch schlug mit dem Schwanz und verschwand in der schimmernden Tiefe.

Zu Hause erzählte der Fischer von der Begegnung. Seine Frau sah das undichte Dach und den leeren Brotkasten an und schlug vor, nur um das Nötigste zu bitten. Gemeinsam riefen sie am Ufer nach dem Fisch. Im selben Augenblick erschienen im Haus frisches Brot, ein neuer Holztrog, feste Bretter und warme Decken. Die beiden bedankten sich bei ihrem Helfer, reparierten das Dach und machten es sich bei einem gemeinsamen Abendessen gemütlich.

Mit der Zeit wollten sie noch mehr Wunder sehen. Auf ihren Wunsch wurde das Haus geräumig, dann wuchs ein Garten darum herum, und schließlich entstand ein hoher Palast mit langen Sälen. Doch in den riesigen Räumen klangen die Schritte einsam, die Stockrosen verschwanden hinter einer Steinmauer, und vom Meer war kaum noch etwas zu sehen. Sogar die Wellen wurden unter den schweren Wolken dunkel.

Der Fischer und seine Frau begriffen, dass sie der Pracht nachgejagt waren und dabei ihr geliebtes Zuhause verloren hatten. Sie baten den Fisch, ihnen ihr einfaches Leben zurückzugeben; nur ein dichtes, festes Dach und die Wärme wollten sie behalten. Am Morgen war der Palast verschwunden, die Stockrosen wiegten sich wieder vor dem Fenster, und das Meer glänzte. Die beiden strichen selbst die Fensterläden, legten einen Garten an und luden die Nachbarn zum Tee ein. Von da an baten sie das Meer nur noch um gutes Wetter und schufen ihr Glück mit eigenen Händen.

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