Die kleine Chawroschetschka

Die kleine Chawroschetschka hatte früh ihre Eltern verloren und lebte bei einer Familie mit drei Töchtern: Einauge, Zweiauge und Dreiauge. Die Schwestern saßen…

Die kleine Chawroschetschka hatte früh ihre Eltern verloren und lebte bei einer Familie mit drei Töchtern: Einauge, Zweiauge und Dreiauge. Die Schwestern saßen gern am Tor, während Chawroschetschka die ganze Arbeit zufiel. Sie spann, webte und räumte auf, hörte aber nur selten ein freundliches Wort. Besonders schwer war es, wenn die Hausherrin ihr auftrug, an einem Tag mehrere Bahnen Stoff zu weben.

Auf dem Feld erzählte Chawroschetschka einer gescheckten Kuh von ihren Sorgen. „Berühre erst das eine Ohr und dann das andere“, sagte die Kuh. Das Mädchen strich über ihre weichen Ohren, und neben ihr erschien fertiger Stoff. Sie dankte ihrer Helferin, bürstete ihre Flanken und flocht ihr einen Kranz aus Klee. Jeden Abend kamen gleichmäßige weiße Stoffbahnen mit ins Haus zurück.

Die Hausherrin staunte und begann, ihre Töchter mit aufs Feld zu schicken. Einauge und Zweiauge schliefen bei einem Wiegenlied ein, doch Dreiauges drittes Auge sah alles. Als die Hausherrin von dem Zauber erfuhr, beschloss sie, die Kuh an einen weit entfernten Hof zu verkaufen. Chawroschetschka wurde traurig, doch die Kuh flüsterte: „Ich werde auf einer großen Wiese leben. Nimm drei Apfelkerne aus meinem Glöckchen und vergiss unsere Freundschaft nicht.“

Chawroschetschka pflanzte die Kerne in den Garten und goss sie jeden Morgen. Ein Apfelbaum mit goldenen Blättern, silbernen Zweigen und rotwangigen Äpfeln wuchs heran. Eines Tages ritt ein junger Gärtner namens Andrei vorbei. Er bat die Mädchen, ihm einen Apfel zu reichen und zu sagen, wer mit ihm gemeinsam einen großen Garten pflegen möchte.

Die Schwestern griffen nach den Äpfeln, doch die Zweige hoben sich sanft empor. Als Chawroschetschka näher kam, neigte sich der Apfelbaum von selbst zu ihr. Die junge Frau reichte Andrei einen Apfel, bat ihn jedoch zuerst, ihrer Familie zu helfen, die Arbeit gerecht aufzuteilen. Unter dem Apfelbaum entschuldigten sich die Hausherrin und die Schwestern, und Andrei lud Chawroschetschka ein, gemeinsam mit ihm den großen Garten zu pflegen. In diesem Augenblick kam die gescheckte Kuh von der fernen Wiese an den Zaun, als freue sie sich für ihre Freundin.

Read this tale on NeuroTales