Der verzauberte Zarewitsch

Ein Kaufmann hatte drei erwachsene Töchter. Bevor er zu einer Reise über das Meer aufbrach, fragte er sie, welche Geschenke er ihnen mitbringen solle. Die…

Ein Kaufmann hatte drei erwachsene Töchter. Bevor er zu einer Reise über das Meer aufbrach, fragte er sie, welche Geschenke er ihnen mitbringen solle. Die beiden Älteren wählten Tücher, während die Jüngste eine Blume mit silbernen Blütenblättern zeichnete. Die Tücher fand der Kaufmann, doch die Blume sah er nirgends. Auf dem Heimweg entdeckte er einen Palast mit einem Garten, in dem genau die Blume aus der Zeichnung wuchs. Als der Kaufmann die Hand danach ausstreckte, erschien ein dreiköpfiger geflügelter Drache, der Hüter des Gartens.

Der Kaufmann gestand, dass er seiner Tochter eine Freude hatte machen wollen, und entschuldigte sich dafür, nicht um Erlaubnis gefragt zu haben. Der Drache schnitt die Blume selbst ab und bat ihn, eine Einladung auszurichten: Wenn die jüngste Tochter es wolle, dürfe sie kommen, um die seltenen Pflanzen zu zeichnen. Zu Hause erzählte der Kaufmann ehrlich alles, was geschehen war. Seine Tochter dachte über die Einladung nach und reiste gemeinsam mit ihrem Vater hin. Am Tor begrüßte der Drache die Gäste und zeigte ihnen ein helles Zimmer.

Tagsüber zeichnete die junge Frau Pflanzen, und der Drache erzählte, wie er den Garten vor Trockenheit schützte. Abends tranken sie bei offener Tür Tee; sie entschied selbst, wann sie das Gespräch beenden wollte, und der Drache zog sich in einen anderen Turm zurück. Bald konnte sie seine drei Stimmen voneinander unterscheiden und sah, wie geduldig er abgebrochene Zweige pflegte. Nach einigen Tagen stellten die Freunde die erste Seite ihres Katalogs fertig.

Die junge Frau vermisste ihre Familie, und der Drache bot ihr an, in einer Zauberkutsche nach Hause zu fahren. Sie verabredeten sich für den nächsten Abend am Teich. Ihre Schwestern baten noch um eine weitere Geschichte über den Palast, und erst spät bemerkte die Besucherin das Mondlicht. Sie machte sich sofort auf den Rückweg, doch der Regen bremste die Kutsche. Am Morgen fand sie den Drachen am Teich: Er war durchnässt und müde, hatte aber ruhig auf sie gewartet.

Die junge Frau deckte ihren Freund mit ihrem Umhang zu und erklärte die Verspätung. Der Drache gestand, dass er Angst gehabt hatte, wieder allein zu bleiben, doch er glaubte ihren ehrlichen Worten. Als sie seine Pfote nahm und vorschlug, gemeinsam weiterzuarbeiten, begann die silberne Blume zu leuchten. Der Drache verwandelte sich in einen jungen Zarewitsch: Eine aus freien Stücken geschlossene Freundschaft hatte den Zauber gebrochen. Zur Eröffnungsfeier des Gartens kam die ganze Familie, und die Freunde setzten ihren Katalog fort und empfingen fortan Pflanzenfreunde.

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